Motographie: Kawasaki GPZ 900R

Es lebe die Zeiten ohne Stufenführerschein, das Bundesmat für Zivildienst und meine Tante Elfriede.

Wenn man bei Antritt des Zivildienstes bereits ein halbes Jahr alleine wohnte und Miete zahlen musste, dann wurde diese vom Bundesamt ersetzt. In einem selten wachen Moment habe ich mich dann bereits zu Schulzeiten bei Tante Elfriede angemeldet und eine virtuelle Miete (DM 830,-)bezahlt, als es das Wort virtuell noch gar nicht gab.

Dank der ohnehin guten Kohle als Zivi (DM 950!!), der Mietunterstützung des Amts, eines Kneipenjob in Bremerhavens kleinkriminellen Treffpunkt und Bezirksauswahl-Fähigkeiten auf dem Fußballfeld, konnte ich in die Vollen gehen. Die GPZ 900R war damails DAS heißeste Eisen. MAD MAX und TOP GUN waren gerade angesagt und ich dachte, wenn ich so eine Karre habe, stehen die Krankenschwestern bei Schichtbeginn am Fenster.

War ihnen aber egal. Oberärzte und Cabrios standen höher im Kurs. Hatte ich mal wieder was falsch verstanden.

War aber auch egal. Denn die GPZ war der HAMMER!

Infiziert wurde ich durch Tom Cruise und meinen alten Freund Jens Schmidt. Er besaß bereits eine GPZ 900R und er besaß die Selbstdisziplin, als wir mit meiner XL 500R und der XL 250S seiner damaligen Freundin mit 90 km/h pro Stunde bis nach Jugoslawien fuhren, mit dieser Rakete während der gesamten Autobahntortur von der deutschen Nordseeküste bis zum Alpenrand IMMER hinter uns zu bleiben.

Eine unfassbare Disziplin-Leistung, die mich genauso beeindruckte wie die GPZ 900R, als ich sie dann mal so fahren durfte wie es sich gehört.

Also her mit dem Ding und insgesamt 24 Monate dicke Hose auf dem Krankenhaus-Parkplatz und Zivildienst auf der Behindertenstation.

Genug Geld und keine Verantwortung. Was will man mehr mit Anfang 20?

Und dank meiner behinderten Patienten und Freunde dämmerte mir zum Glück erstmals, dass dies alles nicht selbstverständlich ist.

Kawasaki GPZ900