Motograhie: KTM LC4

Frisch Selbständigkeit mit der MotoPort Sache. Und wieder einmal eine Frau weg gelaufen, natürlich inklusive Mobiliar. Einzig richtige Entscheidung: Erstmal Moped kaufen.

Ich hatte gerade die MotoPort Sache übernommen und war in Sachen Umsatz bei meinem Freund Fritz, einem MotoPort und KTM Händler in der Nähe von Rothenburg ob der Tauber. Fritz, instinktsicher und Verkäufer durch und durch, drückte mir zum Abschied ein Prospekt der KTM LC-4 in die Hand, die ich bei meinem Besuch mehrfach umkreits hatte.Seinen verbalen Verkaufsbemühungen habe ich aus Vernunftsgründen widerstanden.

Auf dem 400km Rückweg hat Mann dann geügend Zeit zum Nachdenken. Und ich überlegte mir endgültig, dass angesichts der Investitionen für die MotoPort Übernahme und der humorlos und radikal leer geräumten Bude, andere Prioritäten gesetzt werden sollten. Ich betrat also die verwaiste Putze, rief Fritz an und hörte mich -zu meiner eigenen Überraschung- sagen, „die LC-4 nehme ich!“

Ich hätte auch gern eine Sofa gehabt, denn ein Stuhl ist doch auf dauer unbequem.

Aber gerade in den extremen Phasen des Lebens ist es doch von gewisser Bedeutung, ein wenig Haltung zu zeigen. Vor allem gegenüber sich selbst.

Ich muss einräumen, dass ich bei der Abholung & Zahlung der KTM an meiner doch eher unvernünftigen Entscheidung zweifelte.

Aber Fritz, der gewiefte Instinktverkäufer, gab mir zu dem Moped noch eine schöne KTM Tasche und ein Tiptop-KTM-Hoodie dazu.

Bestimmt 20min war ich auf der Rückfahrt ein unbeschwert glücklicher Mensch, bis sich die Zweifel angesichts des Zeitpunkt dieses Kaufes und das wahrscheinlich überraschte Gesicht meines Firmenkundenberaters wieder langsam und gemein in das Bewußtsein schlichen. Naja, wenn schon gegen die Wand, dann bitte mit Haltung.

Sofas, Kochgeschirr, Bilderrahmen, Lampen und besonders Teppiche werden ohnehin überschätzt

Nachdem nun aber im Rückblick der Jahre alles ganz gar nicht mal so übel verlaufen ist, zähle ich den KTM Kauf zu den lehrsamsten Augenblicken in meinem Leben:

A. Es grundsätzlich nicht verkehrt, wenn man optimistisch bleibt.

B. Wird schon alles werden, irgendwie.

Außerdem habe ich damals gelernt wie wichtig gutes Marketing ist.

 

Und: Hätte ich mir damals ein Sofa und eine Lampe gekauft, würde ich 13 Jahre später nicht davon erzählen.

Weder hier in dieser kleinen Kolomne, noch des Abends am Tresen.

Außerdem: Es war und ist ein geiles Moped!

 

KTM LC4

Supermoto Lehr-Jahre, die mit etwas Zeitverzögerung Jahre später zu einem der schönsten Motorradtage meines Lebens führten (siehe unten)

 

Schnell fahren geht doch;
wenn die 
Geschwindigkeit langsam ist.

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Was macht man, wenn man von seinem besten Freund ständig überholt wird? Man wechselt erst mal die Disziplin.

Doch fangen wir vorne an: Es ist immer das gleiche: Man kommt zu einer irgendwie gearteten Rennsportveranstaltung und alle anderen sehen schneller aus, als man selbst.

Erstmalig sind wir bei einem Supermoto-Training in der Halle. Bei Lothar Schauer, seines Zeichens Vollprofi und „Wetten dass“-Gewinner.

Draußen ist es winterlich trostlos und kühl, drinnen empfängt uns die unvermeidliche Trostlosigkeit einer leeren Karthalle. Es riecht nach Benzin und Gummi, Angst und Enttäuschung.

Vor uns steht eine Armada von 16 einheitlichen Supermoto-Maschinen.

Denn das Besondere an Lothars Veranstaltungen ist ein All-Inclusive-Rundum-Sorglos-Paket: Man bekommt Halle, Maschine und ein Theorieseminar des Großmeisters in einem Abwasch.

Es ist ein paar Jahre her, dass ich auf einer Supermoto Strecke war. Ich kann mich aber erinnern, dass ich es mochte. Der breite Lenker und die niedrigeren Geschwindigkeiten sorgen für weniger Stress als das Spät-Bremsen-Früh-Am-Gas-Gezuppe auf der Rennstrecke.

Allerdings gibt es hier wieder neuen Grund für Nervosität, denn – wie auf Kartbahnen üblich – ist die Strecke mit Reifenstapeln und angetackerter Hartplastikleiste eng begrenzt. Auslaufzonen? Überschätzt.

Zudem sehen die anderen Jungs mal wieder aus wie Vollprofis. Also das übliche Spiel: Erst mal tief stapeln und in Gruppe 3 einordnen. Wie schon in Teil 1 dieser kleinen Reihe erläutert, ist das eine Frage der Persönlichkeitsstruktur.

Zunächst einmal gibt es aber eine ausführliche Einführung des Großmeisters. In jedem Wort erkennt man die Begeisterung für seinen Sport. Es hätte auch eine Anekdote weniger sein können, denn man ist ja schließlich unangemessen nervös, angesichts des neuen Terrains und der neuen Situation. Zumal der Meister auch drauf hinweist, dass die Sturzstatistik nicht die kleinste ist und man – wenn schon nicht an seine Knochen – so doch wenigstens an des Meisters Maschinen denken sollte.

Allzu pubertärer Fahrstil würde zunächst mit einer gelben Karte bestraft und bei hartnäckigen Rowdytum mit phasenweisen Ausschluß aus der Truppe geahndet.

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Nach dieser elternhaften Standpauke erhält man vom Profi schon in der Begrüßungs-Ansprache erste gute Tipps. Um diese dann in den ersten Supermoto-Runden erst einmal komplett erfolgreich zu verdrängen.

Wie immer beim Rennsport, so geht es auch beim SUPERMOTO um Selbstüberwindung. Das Tempo ist laut Tacho überschaubar, aufgrund der Engen des Kurses, des Gegners im Nacken, des quirligen Brüllens der Motoren und nicht zuletzt der nachklingenden Ermahnungen des Meisters ist der Stresspegel trotzdem hoch. Zumal, einer der Tipps von Champ Lothar beinhaltet, dass man seinen Vordermann bei Überholabsicht auch gerne mal energisch von hinten anschreien darf, wenn dieser sich einfach nur breit macht, um den schnelleren Hintermann nicht vorbei zu lassen.

An Schreierei ist erst mal allerdings nicht zu denken. Viel größer ist die Sorge, daß ein Halbprofi sich völlig unpassend in Gruppe 3 geschmuggelt hat und nun jeden Überholvorgang mit einem Gebölke wie bei Full Metal Jacket einleitet.

Passiert aber nicht.

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Brav und schweigsam absolviert mein braves Grüppchen die komplette erste Fahrzeit im Stile einer Entenfamilie beim Sonntagsausflug.

Trotzdem oder vielleicht auch deswegen ist SUPERMOTO schon mit dem ersten Ziehen am Hebel ein großer Spaß.

Von Runde zu Runde gewinnt man Sicherheit. Man lernt den Kurs zu lesen. Der variierende Abstand zum Vorder- bzw. Hintermann signalisiert deutlich, welche Streckenabschnitte gelungen oder verbesserungsfähig sind.

In meinem Fall sind die engen Kehren leidlich gelungen, die lang gezogene Rechtskurve im Süden der Strecke aber stark verbesserungsfähig. Nachdem die Schwächen dort Runde für Runde geringer werden, gelingen die ersten zarten Überholmanöver. Natürlich ohne rüde verbale Ankündigung vor der Kurve.

Denn im Leben und auf der Rennstrecke gilt: Wer nur wenig kann, sollte erst mal die Fresse halten.

Mit jedem Kilometer aber wird die gesamte Gruppe mutiger.

Wer zu früh bremst, verliert, gilt letztendlich auch beim SUPERMOTO.

Noch vor der Halbzeitpause ist die Sicherheit und das Selbstbewußtsein soweit gestiegen, dass ich mich geschwind in Krabbelgruppe 2 einsortiere.

In der Pause dann gibt der Meister ein paar seiner eigentlich streng geheimen Profitipps weiter (Blickrichtung, Druck auf die Fußraste, Drifteinlenkung…). Und siehe da – entgegen der Gewohnheit aus seligen Schulzeiten –  hat man tatsächlich einmal zugehört und ist sogar bereit ist, das Gelernte zu verinnerlichen… und der Lerneffekt in Gruppe 2 setzt sich kontinuierlich fort.

Es sind noch 2 Turns zu absolvieren und, wenn es denn schon mal läuft, schummel ich mich übermütig in Gruppe 1. Ich gehörte das letzte Mal in die sportliche Bestengruppe, als es bei den Bundesjugendspielen noch Ehrenurkunden gab. Jetzt aber, Überraschung, Überraschung, schaffe ich es auch in dieser Heldentruppe, dass angeschlagene Tempo nicht nur mit zu gehen, sondern sogar gut dabei zu sein.

Vorne im Feld tummeln sich schon den ganzen Abend meine beiden Kumpels, von denen ich in der letzten Ausgabe berichtete. Sie sind auf der Rennstrecke Oschersleben mittlerweile in unerreichbare Zeit-Regionen vor gedrungen. Im Vergleich zum Racetrack regiert hier aber eher die Langsamkeit. Und langsam kann ich anscheinend.

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Vor dem letzten Turn dämmert mir also, dass die Chance gekommen sein könnte, eine ewige, tiefe Schmach zu tilgen. Wie schon in der letzten Ausgabe berichtet, hat mein schnellster und bester Freund unsere jahrezehntelange Freundschaft aufs Spiel gesetzt, als er mir auf meine naive Frage nach dem besten Bremspunkt in Oschersleben die ingenieurhaft-nüchterne Antwort gab: „Bei deinem Tempo brauchst du eigentlich nicht zu bremsen“.

Wenn mein Gefühl mich nicht täuscht, wirkt mein guter Freund ein wenig Supermoto-müde. Mit unangemessenem Selbstvertrauen setze ich mich also am Start zum letzten Turn an seine Versen.

Ich studiere ca. 5 Runden seine Linie. Und zwar aus dichter Entfernung. Es bleibt dabei, dass mir die engen Kehren liegen und, als ich merke das ich einen Geschwindigkeitsüberschuß besitze, schreie ich ihn ohne lange darüber nach zu denken in einer dieser engen Kurven von hinten an!!!!!

Erstmal nur im Scherz. Als ich dann aber merke, dass ich tatsächlich schneller bin, und da ich ja nun schon mal geschrien habe, kommt es jetzt auch nicht mehr drauf an.

Vor jeder engen Kurve fahre ich so dicht wie möglich auf und bölke ein bisschen rum.

So gut man eben schreien kann, während man Grinsen muss.

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Trotz Helm und rückwärtiger Ansicht, kann ich die Irritation bemerken, die mein Geschreie auslöst. Seit dem „bei-dem-Tempo-brauchst-du-eigentlich-gar-nicht-bremsen“-Spruch sind jetzt cirka 5 Jahre vergangen. Für jedes vergangene Jahr habe ich jetzt cirka 3x rum gebölkt.

2 Runden vor Schluß ist mein ehemals bester Freund entnervt und lässt mich innen vorbei. Ich rolle also, aus Krabbelgruppe 3 kommend, im letzten Turn des ganzen Tages vor ihm ins Ziel!

Mein zufrieden dümmliches Grinsen hält die gesamte Rückfahrt.

Bei der sprachlichen Analyse des Supermoto Abends schaffe ich es sogar noch einzubauen, daß er bei seinem Tempo eigentlich gar nicht hätte Bremsen brauchen.

Damit sind wir quitt.

Nach 14 Tagen war unsere Freundschaft wieder ganz die alte.

Ob ich jemals wieder Supermoto fahre, weiß ich noch nicht. Es war der schönste Tag des Jahres und eigentlich kann ich ihn nur noch zerstören.