Rechts ist Gas, links die Fischauktion.

58. Internationales Fischereihafen-Rennen

Pfingsten 2015 (24./25. Mai) ist es wieder soweit! Eines der letzten Straßenrennen Deutschlands öffnet seine Pforten. Aus gegebenen Anlaß daher unser Bericht aus dem Jahre 2014.

 

Fischereihafenrennen-Bremerhaven-2014-011-980x512

Fischereihafenrennen-Bremerhaven-2014-01

Begeisterte Zuschauer, glückliche Fahrer, große Zufriedenheit bei Rennleitung und Organisatoren: Das 57. Internationale Fischereihafen-Rennen am 8. und 9. Juni 2014 in Bremerhaven war ein voller Erfolg.

Ob im Fahrerlager oder auf der Händlermeile, an den Kurven oder an der seit 1952 am selben Platz befindlichen Start-/Zielgerade: Die Stimmung unter den rund 20.000 Besucherinnen und Besuchern war bestens.

Nur Petrus sorgte mit seinen Kapriolen für zwischenzeitliche Unruhe. Während die große Mehrheit der Trainings- und Rennläufe bei strahlendem Sonnenschein stattfand, gab es am Sonntag- und am Montagnachmittag überraschende Schauer. Letztere (Montag gegen 17:30) so stark, dass das Rennen etwas kürzer ausfiel als geplant und schon nach 16 statt 19 Rennläufen beendet wurde.

Schon bei der traditionellen Schlussrunde gegen 18 Uhr hatte der Himmel seine Schleusen wieder geschlossen, und eine bunte Mischung der verschiedensten Motorräder und Fahrer drehte unter großem Applaus eine oder auch mehrere Ehrenrunden – angeführt von Renn-Organisator Hinrich „Hinni“ Hinck und seinem Sohn Kenny, der 2014 auf eine eigene Rennteilnahme verzichtet hatte, um sich voll der Organisation widmen zu können.

Lob für Sicherheit, Organisation und Atmosphäre

Die besondere Mischung aus hochklassigem Rennsport und Volksfestatmosphäre in einer außergewöhnlichen Umgebung ließ niemanden kalt.

„Wer das Fischereihafen-Rennen noch nicht kennt, sollte es sich unbedingt anschauen“, schwärmte DMSB-Sportkommissar Wilfried Kasper (Ahrbrück). „Das war beste Werbung für den Motorsport!“

„Eine Hammer-Veranstaltung“, bestätigte Rennleiter André Straßburger (Wuppertal), der die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten ausdrücklich lobte: „Ich hatte das Gefühl, es in absolut allen Belangen mit Profis zu tun zu haben. Wann immer es etwas zu lösen gab, es hatte immer jemand eine Spitzenidee. Es hat mir einen Mordsspaß gemacht.“

Keine schwerwiegenden Unfälle

Fischereihafenrennen-Bremerhaven-2014-03-980x373

Unisono lobten alle Beteiligten der Abschlussbesprechung das hohe Sicherheitsniveau des Fischereihafenkurses: „Alles, was man an Sicherheit machen kann, wird auch gemacht.“ Sehr zufrieden zeigte sich auch der Leitende Rennarzt Dr. Achim Strassner. Zwar gab es nach Stürzen einige typische Motorsportverletzungen zu behandeln (etwa an Handgelenk, Schulter oder Knie), doch, so Strassner: „Wir hatten keine schwerwiegenden Unfälle. Es lief so, wie es laufen sollte.“ Alle behandelten Fahrer befinden sich auf dem Weg der Besserung.

Fischereihafenrennen-Bremerhaven-2014-03

Dreifachsiege von Kreutz und Merkens, Rundenrekord von Julian Neumann.

Schnellster Mann in Fishtown war einmal mehr Thomas Kreutz, der für die Teilnahme am Fischereihafen-Rennen auf den zeitgleichen Lauf der IRRC (International Road Racing Championship) im niederländischen Oss verzichtet hatte. Zwei erste Plätze in der „Königsklasse“ Fishtown Open und ein weiterer Sieg in Klasse 3 (Fishtown Junior 600) waren der Lohn.

Zweiter in beiden Läufen der Klasse 1 wurde der mehrfache Deutsche Meister Toni Heiler, auf Rang drei folgten Thilo Günther (Rennen 1) und Julian Neumann (Rennen 2), der mit 1:29.110 den Rekord für die schnellste Runde auf der 2,7 Kilometer langen Strecke im Fischereihafen von Thomas Kreutz „stibitzte“ – obwohl dieser seinen eigenen, im vergangenen Jahr aufgestellten, Rekord von 1:29.915 auf 1:29.362 verbessert hatte.

Im Rennen um den 20. Sieg im Fischereihafen musste sich Kreutz allerdings Stefan Merkens (Düren) geschlagen geben, der im ersten Rennen der Klasse 7 bereits am Sonntag die „20“ voll machte. Auch die Klasse 10 dominierte Merkens souverän und siegte in beiden Rennläufen.

„Sportsgeist, Freude und Humor“

Neben der Anerkennung für die sportlichen Spitzenleistungen und den fairen Umgang unter den rund 400 Fahrern sowie die gute Zusammenarbeit unter allen Beteiligten lobte Organisator Hinrich Hinck in seinem Fazit besonders das Publikum: „Der Fünfzehnte bekommt ebenso Applaus wie der Erste, und selbst der Kehrwagenfahrer wurde gefeiert, als er zwischendurch einmal ran musste. Es ist toll, mit wie viel Sportsgeist, Freude und Humor die Zuschauer hier mitgehen!“

Local Hero

Fischereihafenrennen-Bremerhaven-2014-06-980x430

Fischereihafenrennen-Bremerhaven-2014-06

Eine Rennstrecke, auf der man auch mal ein paar liegen gebliebenen Heringen ausweichen muss. So etwas gibt es seit mehr als 60 Jahren nur in Fischtown. Damals hieß die Stadt noch Bremerhaven. Das härteste und fast letzte Straßenrennen Deutschlands: Das Fischereihafenrennen an der Nordseeküste. Laut völlig richtiger Eigenwerbung: LAUT, ROH und ECHT. Lokalmatador und Fischtowns bester Motorradhändler Harry „Raceduck“ Zager war auch dieses Jahr wieder dabei und berichtet uns, wie es sich als Normalsterblicher anfühlt, wenn man mit 200 Klamotten auf einen Fischtrawler zufährt.

Wie ist es zu deiner Teilnahme gekommen? Seit 1985 bin ich Zuschauer des Rennens und bin der Meinung, dieses einzigartige Rennen in meiner Heimatstadt auch mal als Fahrer erleben zu dürfen. Es blieb nicht bei einem mal. Es wurden drei Veranstaltungen, die ich sehr genossen habe und ich als Privileg ansehe, diesem Event als Teilnehmer anzugehören.

Fischereihafenrennen-Bremerhaven-2014-05-980x267

Fischereihafenrennen-Bremerhaven-2014-05

Was macht den Reiz der Veranstaltung aus? Das Schönste ist die Nähe zum Publikum, das mit über 20.000 Zuschauern jeden Teilnehmer aus jeder Klasse feiert, egal ob man im vorderen oder hinteren Feld im Ziel ankommt.

Wie erlebt man als Amateur eine Strecke und ein Rennen, dass weitgehend ohne Sicherheitszonen auskommen muss? Jeder muß sich bewußt sein, dass die Gefahr sehr groß ist und die Strecke keine Fehler zuläßt. Ich rate jedem Teilnehmer mit sehr viel Respekt an den Start zu gehen und nicht auf der letzten Rille zu fahren.

Hast du als Bremerhavener Reaktionen im Vorfeld oder nach dem Rennen erhalten? Viele Bekannte, Kunden und Freunde freuen sich, wenn sie Starter persönlich kennen und feuern sie noch begeisterter an. An keinem Wochenende im Jahr habe ich mehr Gänsehautfeeling als zu Pfingsten.

Was ist die am schwierigsten zu bewältigende Aufgabe an so einem Rennwochenende? Für mich ist das ausgefüllte Wochenende mit Verkaufsstand (Kawasaki, Aprilia) und Motorradrennen fahren sehr aufreibend. Jeder, der einen Messestand organisieren muss, kennt den Aufwand. Zusätzlich bin ich noch als Fahrer gefordert.

Gibt es bei der 3. Teilnahme einen Gewöhnungseffekt? Jedes Event ist sehr aufregend und einmalig. Ich bin die drei Veranstaltungen mit drei unterschiedlichen Motorrädern gefahren (Aprilia RS 250, Tuono V2R und Dorsoduro 1200). Routine, Gewöhnung oder Langeweile kommt da nie auf.

Sehen wir dich 2015 wieder? Ein Sprichwort sagt: Dreimal ist Bremer Recht. Ich werde als Aussteller und Förderer von Fahrern weiterhin der Veranstaltung treu bleiben. Eine Teilnahme als Fahrer ist im Moment ausgeschlossen.