Neuseeland – Willkommen im Land der langen weissen Wolke

In der Sprache der M Ori heißt Neuseeland „Aotearoa“, was übersetzt so viel wie „Land der langen weißen Wolke“ bedeutet.

Neuseeland-Dane-01a

Dass Neuseeland aber mal abgesehen vom wechselhaften Wetter auch jede Menge fantastischer Motorradstrecken und Offroad-Abenteuer zu bieten hat, das dürfen wir während unserer gut dreimonatigen Motorradreise durch Neuseeland am eigenen Leib (er)fahren.

Es ist Anfang Januar, als wir uns von Auckland aus aufmachen Neuseeland mit unseren Motorrädern zu erkunden. Da die Jahreszeiten in der südlichen Hemisphäre denen in Europa genau entgegengesetzt sind, beginnt hier gerade der Sommer und wir freuen uns auf die gut drei Monate, die uns zur Verfügung stehen, um Neuseeland mit den eigenen Motorrädern zu erkunden.

Von Küste zu Küste

Unsere Reise führt uns zunächst entlang der Westküste, wo wir gleich am ersten Tag durch Zufall auf einer kleinen Kiesstraße landen, die sich in herrlichen Kurven am Steilufer der Tasmansee entlang schlängelt. Hinter jeder Kurve verbirgt sich eine neue, spektakuläre Aussicht auf die sanften, sattgrünen Hügel, die plötzlich steil abfallen, um in der schäumenden Brandung des türkisblauen Meeres zu versinken. So viel Fahrspaß uns die kurvenreiche Strecke auch bietet, bei solchen Aussichten fällt es uns wahrlich schwer, uns auf die Straße zu konzentrieren.

Als wir von der Westküste abdrehen und uns auf den Weg ins Landesinnere machen folgen wir zunächst den Spuren des „Forgotten World Highway“, der uns durch eine besonders einsame Gegend der Nordinsel führt. Dank unzähliger Pässe, die es zu überqueren gilt, reiht sich auch auf dieser Strecke eine Kurve an die nächste. Genau auf halbem Weg entlang des Highways geht die schmale Asphaltstraße plötzlich in einen Kiesweg über, der von beiden Seiten von dichtem, dunkelgrünem Urwald eingerahmt wird. Nun wissen wir auch, woher der Name „Forgotten World Highway“ kommt, denn wenn es irgendwo noch Dinosaurier auf dieser Erde geben sollte, dann definitiv hier in der unberührten Dschungellandschaft Neuseelands.

Neuseeland-Dane-02a

Auch auf unserem weiteren Weg in Richtung Ostküste zeigt sich Neuseelands Nordinsel von ihrer besten Seite. Oft fahren wir abseits der vielbefahrenen Straßen und folgen kleinen Kiesstraßen, die sich durch das landwirtschaftlich geprägte Hinterland schlängeln. Dass wir dabei immer wieder auf tierische Hindernisse der ganz besonderen Art stoßen, ist nicht weiter verwunderlich, beheimatet Neuseeland doch gut 40 Millionen Schafe, was rund dem zehnfachen der menschlichen Einwohnerzahl des Landes entspricht.

Unzählige heiße Thermalquellen und weitläufige Seengebiete laden zum Verweilen ein und so schlagen auch wir unser Zelt am Ufer einer der Seen auf, die sich vor vielen Jahrtausenden aus alten Vulkankratern gebildet haben. Dank der noch immer höchst aktiven vulkanischen Aktivität in der Gegend um die Seen, haben diese ein stark schwefelhaltiges, relativ warmes Wasser. Ein Bad in den heißen Quellen tut zwar unseren verspannten Muskeln gut, nur der starke Schwefelgeruch, der die ganze Gegend einhüllt und uns an faule Eier erinnert, ist leider weniger einladend.

Bei strahlendem Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen erreichen wir am nächsten Tag die an der Ostküste liegende „Bay of Plenty“. Die kommenden Tage werden wir der Küstenlinie entlang der Ostküste vom „East Cape“ bis hinab zum südlichsten Punkt der Nordinsel folgen, doch zunächst geht es an der „Bay of Plenty“ entlang, und wie der Name schon erahnen lässt reiht sich hier entlang der Küstenstraße eine einsame Bucht an die nächste.

Letzte Etappe auf unserer Fahrt über Neuseelands Nordinsel ist das „Cape Palliser“, der südlichste Punkt der Insel. Die knapp 40 km lange, im ersten Abschnitt noch geteerte Stichstraße, führt uns zunächst in sich sanft windenden Kurven direkt am Ufer der „Palliser Bay“ entlang, bevor sie in eine schmale Schotterstraße übergeht, die uns direkt bis zum ganz im äußersten Süden gelegenen Leuchtturm führt. Nicht nur Aufgrund der spektakulären Aussicht und herrlich kurvigen Strecke ist das „Cape Palliser“ einen Abstecher wert, hier kann man nämlich auch wilde Seebärenkolonien ganz aus der Nähe beobachten, und eines können wir ab sofort bestätigen, man riecht diese haarigen Zeitgenossen definitiv früher, als das man sie sieht!

Neuseeland-Dane-03a

Auf zu neuen Ufern!

Bereits am nächsten Morgen bringt uns eine Autofähre von Neuseelands Hauptstadt Wellington aus in das kleine Hafenstädtchen Picton auf der Südinsel. Die für ihren rauen, stürmischen Seegang berüchtigte Cook Strait Meerenge zeigt sich zu unserer Freude von ihrer ruhigen Seite und so machen wir uns gut drei Stunden später bereits auf den Weg von der Küste ins gebirgige Hinterland der Südinsel.

Hatte uns Neuseelands Nordinsel dank kurvenreicher Straßen und tollen Aussichten bereits unglaublich viel Spaß bereitet, so kommen wir auf der Südinsel nun in den Genuss von einsamen Landschaften und menschenleeren Schotterpisten, die uns ein ganz anderes, viel raueres und wilderes, dafür aber auch umso abenteuerliches Neuseeland zeigen.

Unsere erste richtige Offroad-Etappe, die sogenannte „Rainbow Road“ führt uns entlang des Wairau River, bevor wir etwas weiter südöstlich die neuseeländischen Alpen überqueren.

Wir fahren durch fast unberührte alpine Berglandschaften und Dank der Abgelegenheit der Strecke sind wir weit und breit die einzigen Fahrzeuge. Außerdem hält die Strecke definitiv was sie verspricht, bietet sie doch neben atemberaubenden Aussichten auch jede Menge anspruchsvolle Geländeetappen, unzählige Flussdurchquerungen und somit jede Menge Fahrspaß für uns!

Dass wir am Abend auch noch unser Zelt an einem einsamen See mit beeindruckender Aussicht auf die schneebedeckten Berge aufschlagen können, ist der krönende Abschluss eines rundherum perfekten Fahrtags. Trotz der frischen Temperaturen hier im Hochland sitzen wir an diesem Abend noch lange vor unserem Zelt, lauschen der absoluten Stille um uns herum, die nur vom Rauschen des Windes durchbrochen wird und genießen die einmalige Aussicht auf die Milchstraße, die sich am sternenklaren Nachthimmel direkt über unseren Köpfen erhebt.

Offroad-Spaß zwischen Bergen und Gletschern

Auf unserer weiteren Fahrt über die Südinsel versuchen wir die geschäftigen touristischen Gegenden weitestgehend zu meiden und (er)fahren lieber einsame Wege durch abgelegene, fast menschenleere Gegenden.

An einem herrlichen Sommertag machen wir uns auf den Weg zum „Mount Cook“, mit knapp 4.000 m Höhe Neuseelands höchstem Berg. Bereits die Anfahrt zum „Mount Cook“, die entlang des gut 30 km langen Gebirgssees „Lake Pukaki“ verläuft, ist schon ein Genuss, denn die Straße windet sich in sanften Kurven immer am Seeufer entlang und gibt hinter jeder Kurve neue, fantastische Blicke auf die von zwei mächtigen Gletschern bedeckten Alpen und den leuchtend türkisen Gebirgssee frei.

Hätten wir keine Ohren am Kopf, so würde das breite Grinsen in unserem Gesicht wahrscheinlich einmal rund herum reichen, so begeistert sind wir vom Anblick der beeindruckenden Natur um uns herum. Nun noch ein passender Song auf dem MP3-Player eingelegt, den wir dank Headset auch im Helm hören können und der Tag ist perfekt!

Auch unsere weitere Reise quer über die neuseeländische Südinsel ist geprägt von einsamen Offroad-Strecken, fantastischen Campspots inmitten schier endloser Weiten und atemberaubenden Aussichten auf die in großen Teilen noch unberührte Natur Neuseelands.

Neuseeland-Dane-04a

So langsam verstehen wir auch, warum viele Kiwis ihr Land „God Zone“ nennen. Das mag zwar im ersten Moment etwas überheblich klingen, doch besonders für Motorradfahrer, egal ob man nun On- oder Offroad unterwegs ist, ist Neuseeland definitiv ein Traumland.

Knapp zwei Monate sind wir bereits unterwegs, als wir den südlichsten Zipfel der Südinsel und somit den Wendepunkt unserer Reise durch Neuseeland erreichen. Von nun an folgen wir der Westküste entlang zurück nach Norden.

Dass hier an der Küste die gefürchteten Westwinde mit dem passenden Namen „Roaring Fourties“ auf die neuseeländische Landmasse treffen, bekommen auch wir leider immer wieder am eigenen Leib zu spüren, denn wir werden auf unseren Motorrädern ganz schön durchgeschüttelt und ein paarmal ist es wirklich knapp, dass uns eine Sturmböe einfach von der Straße fegt.

Nichts desto trotz hat die Westküste vielleicht gerade aufgrund ihres rauen, stürmischen und regnerischen Klimas eine besonders beeindruckende Landschaft zu bieten, denn die Küstenstraße, der wir folgen, wird eingerahmt von einsamen Meeresbuchten auf der einen sowie spektakulären Aussichten auf die Alpen und ihre schneebedeckten Gipfel und Gletscher auf der anderen Seite.

Zurück im Norden der Südinsel wollen wir noch eine letzte kleine Offroad-Tour entlang einer schmalen Landzunge hinauf zum sogenannten „French Pass“ fahren. Die Strecke windet sich entlang eines sanften Bergrückens und gibt so von beiden Seiten den Blick frei auf die umliegenden Buchten und Fjorde, deren leuchtend blaues Wasser in der Sonne glitzert.

Hier oben in den „Marlborough Sounds“ verbringen wir auch den letzten wildcamping Abend auf unserer Reise über die Südinsel und kommen noch einmal in den Genuss eines einsamen Plätzchens mit direktem Blick auf eine der unzähligen einsamen Buchten und einen traumhaften Sonnenuntergang, der die Landschaft um uns herum in leuchtendes Rot und Orange taucht, bevor die Sonne endgültig am Horizont untergeht.

Auf in den hohen Norden

Zurück auf der Nordinsel geht es für uns in einem Rutsch bis ganz nach Norden in die sogenannten „Northlands“, wo noch ein letztes „Motorrad-Schmankerl“ auf uns wartet, bevor wir schon in nur wenigen Tagen unsere Motorräder für ihre lange Reise über den großen Teich vorbereiten müssen.

Es herrscht gerade Ebbe, als wir von der Hauptstraße auf den „Ninety Mile Beach“ abbiegen und damit ist unser Timing für einen tollen Tag am Strand absolut perfekt.

 

Was, ihr fragt euch, was ein Tag am Strand mit Motorradfahren zu tun hat? An sich tatsächlich nicht so viel, doch ist der Strand – wie in diesem seltenen Fall – eine offizielle Straße, so sieht die Sache gleich ganz anders aus!

Unsere anfängliche Unsicherheit ob des Zustands der Sandpiste weicht schnell der puren Freude, dass sich unsere Reisemotorräder trotz ihres stolzen Gewichts von fast 300 Kilogramm ohne Probleme über den festen Sandboden manövrieren lassen und so fahren wir in einem Affenzahn den Strand entlang Richtung Norden und freuen uns wie kleine Kinder über so viel ungewöhnlichen Fahrspaß!

Und da wir vom „Sandspielen“ gar nicht genug bekommen können, geht es für uns gleich weiter zu den gut 50 Meter hohen „Te Paki“ Sanddünen, die sich weiter nördlich am „Ninety Mile Beach“ befinden.

Auch dort drehen wir mit unseren Motorrädern noch ein paar Runden im Sand, der am Fuß der Dünen schon wesentlich weicher ist als draußen am Strand, was das Handling der Motorräder schon deutlich schwieriger macht, doch auch das tut unserem Fahrspaß definitiv keinen Abbruch.

Neuseeland-Dane-05a

Nach dieser mehrstündigen Geländeeinlage sind wir zwar ganz schön erledigt, aber so viel Fahrspaß, wie wir ihn heute hatten, ist kaum zu überbieten und es gibt wohl kaum einen passenderer Abschluss für unsere aufregende und abenteuerliche Reise durch Neuseeland.

Doch mit Neuseeland ist unsere spannende Motorradweltreise noch lange nicht zu Ende. Wo es uns als nächstes hin verschlägt? Lasst euch überraschen!

Neuseeland-Dane-06a

Text: Bettina Höbenreich I Bilder: Helmut Koch und Bettina Höhenreich