Motographie: Suzuki GT 80L

Fazit: Totaler Griff ins Klo.

Die wahrscheinlich schlechteste 80er aller Zeiten. So schlecht, dass alle Bilder vernichtet sind. 1999,- D-Mark als Neupreis! Damals, als fast 16jähriger Pickeltyp, unermesslich viel Geld.

Letztendlich dann hart erarbeitet bei der Sägerei Seegers in Dorum für 5-Mark-inner-Stunde. Immerhin habe ich dort im zarten Alter von 15 Jahren gelernt, was ich nicht machen will und habe zur Hälfte der Sommerferien mit Frank Dürels das damals noch vüllig unbekannte Job-Sharing erfunden. Vollzeit wäre es wirklich nicht auszuhalten gewesen.

Die coolen Jungs aus der großen Stadt fuhren MTX und MT-08. Ich sparte für eine SUZUKI GT-80L.

Kein Wunder das dann ziemlich schnell die Freundin weg gelaufen ist. Für einen Typen mit einer HONDA CM 125T!! Noch Fragen?

Es dämmerte mir aber dann, dass sie ohnehin nicht die richtige war für den rest des Lebens. Also: Führeschein machen, die „Suzi“ kaufen, mit 78 kmh raus auf dem doofen Dorf, in die große Stadt und nach anderen Mädels gucken!

Mit einer Die GT80L war da aber auch in der Stadt nix zu reißen. Denn sie war nunmal wirklich Scheiße, etwas über der Grenze zur Peinlichkeit.

Das habe ich aber leider erst im Rückblick gemerkt. Wie das nunmal so ist mit 16 bzw. eigentlich das ganze Leben. Man denkt, man wäre ein großer Checker und merkt erst mit Verzögerung, dass man nichts, aber auch gar nichts verstanden hatte.

Ergebnis also: Zwei Jahre absolute (fahrerische) Freiheit, das völlig unberechtigte Gefühl total cool zu sein und die ewigliche Infektion mit Zweiradritis.

Wir sind dann gleich im ersten Sommer mit dem Ding nach Assen zur MotoGP, auch wenn die damals noch nicht so hieß.

Harro Jacke an, Gepäckrolle hinten drauf und über die Weserfähre gen Holland. Nach dem Ortsschild Rodenkirchen drehe ich voll am Hahn des Choppers. Die 6,7 PS peitschen mich hoch auf 74 km/h.

Meine MTX und MT08 Freunde waren am Horizont nicht mehr zu sehen und ich legte mich traurig und einsam und stromlinienförmig flach auf die Karre um die Geschwindigkeit auf 75 km/h hoch zu ziehen.

Mit einem sonoren Brummen nähert sich von hinten ein Harley Fahrer mit 75,6 Stundenkilometer.

Er überholt mich in Zeitlupe, ich werfe den Blick, flach auf dem Choppertank liegend, nach links und muß erkennen, dass der Typ einen gefüllten Bierdosenhalter am Lenker hat und während der Fahrt raucht.

Irgendwie begann ich zu ahnen, dass ALLES, also das ganze Leben an sich, nicht so einfach wird wie gedacht.

In Assen dann wurden wir bei der Einfahrt in den Ort von der damals dort üblichen Rockergruppe per „Schranke“ gestoppt und sollten vor der Weiterfahrt einen Wheelie machen.

Ich wußte seinerzeit zwar, was das ist, aber nicht wie das geht. Das sagte ich kleinlaut dem lokalen Rockerkönig und er hatte Verständnis für uns Dorfchecker.

Gnädig schüttete er mir, quasi als Initiationsritual in die Welt der Erwachsenen und des Zweirads, einen halbes Dosenbier in den Helm und ließ mich auch ohne Wheelieshow durch.

Aufgenommen in die Welt der großen Jungs, hatten wir dann noch zwei rauschige Nächte und dachten in den besten Momenten wir wären Max Rockatansky.

Während des Rennens wurden uns dann drei der insgesamt sieben Achtziger geklaut. Meine Suzuki leider nicht dabei.

Es lief also nicht rund, aber ich habe es gar nicht gemerkt.

So ist es halt in der Pubertät.

 

 

Suzuki GT80L